Mitteilung / Stellungnahme 

Am Mittwoch (24.01.2018) gab die Bildungssenatorin Sandra Scheeres, begleitet von Vertreter*innen des Landesschüler*innenausschuss (LSA) eine Pressekonferenz. Hier unsere Stellungnahme zu den aktuellen Entwicklungen.

Die Senatorin verkündet die Stärkung des Schulfaches Politische Bildung – aber wie?

Tatsächlich soll schon zum nächsten Schuljahr die Minimalforderung erfüllt werden, die wir als Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) e.V. schon lange vertreten: Das Schulfach Politische Bildung wird als eigenständiges Unterrichtsfach auf dem Zeugnis ausgewiesen und nicht mehr gemeinsam mit Geschichte zusammengefasst. Die Senatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte hierzu: „Das Fach Politische Bildung wird in den Berliner Schulen sichtbar verankert und zukünftig ein benotetes Zeugnisfach.“ Weiter heißt es in der Presseerklärung der Senatsverwaltung: „Im Schuljahr 18/19 wird das Fach Politische Bildung mit einer Teilnote auf dem Zeugnis ausgewiesen.“ Diesen Schritt begrüßen wir ausdrücklich.

Die Stärkung der Politischen Bildung soll durch eine weitere Maßnahme erreicht werden. So heißt es in der Pressemitteilung der Senatsverwaltung, „[z]ukünftig werden die Fächer Geschichte, Politische Bildung, Geografie und Ethik je Doppeljahrgang mit einem maximalen gemeinsamen Stundenkontingent ausgewiesen“. Damit soll ein zusammenhängender Lernbereich entstehen, in dem die Stunden flexibel unter den Fächern verteilt werden können.

Die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer in einem Lernbereich – was bedeutet das für die Politische Bildung?

Der neue Lernbereich Gesellschaftswissenschaften soll an den Gymnasien in den Doppeljahrgangsstufen 7/8 und 9/10 mit jeweils 10 Stunden und in den Sekundarschulen mit jeweils 8 Stunden ausgestattet sein. „Das bedeutet de facto keine Stärkung des Lernbereichs, denn so viele Stunden standen Geographie, Geschichte, Ethik und Politischer Bildung auch bisher schon zur Verfügung.“ erklärt Steve Kenner, stellvertretender Vorsitzender der DVPB Berlin und ergänzt: „Diesbezüglich ist es eine Fortführung des Status Quo.“ 8 bzw. 10 Doppelstunden klingt viel. „Das bedeutet allerdings, dass pro Fach der Gesellschaftswissenschaften nur maximal eine Stunde im Schuljahr zur Verfügung steht“,  stellt Prof. Dr. Sabine Achour, Vorsitzende des Landesverbandes Berlin der DVPB, fest. Damit bleibt Berlin im deutschlandweiten Vergleich eines der Rücklichter und daran ändert sich auch mit dem Vorschlag der Senatorin nichts.

Unbeantwortet bleibt die Frage, wie die zur Verfügung stehenden Stunden in dem Lernbereich Gesellschaftswissenschaften verteilt werden sollen. Die Erklärung der Senatorin Scheeres bleibt dabei unpräzise: „Zusätzlich wird für alle Fächer der Anteil von mindestens bzw. maximal zu erteilendem Unterricht festgelegt.“ Wie hoch dieser Anteil sein soll, ist unklar.

„Die Ausweisung des Unterrichtsfaches Politische Bildung auf dem Zeugnis ist eine begrüßenswerte Entwicklung und ein längst überfälliger Schritt“, erklärt Steve Kenner, er fügt aber hinzu: „Dass der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften aber auch in Zukunft nicht ausgebaut werden soll, halten wir für einen Fehler.“ Welche Vor- und Nachteile die Kontingentlösung für den Fachbereich haben wird, ist noch nicht abzuschätzen. „Die Kontingentlösung halten wir grundsätzlich für ein Konzept, mit dem moderne fachdidaktische Ideen berücksichtigt werden könnten. Hierbei sei unter anderem das Projektlernen hervorzuheben. Um aber wirklich einschätzen zu können, wie sinnvoll das geplante Konzept ist, bedarf es konkreterer Informationen, beispielsweise zu den minimal und maximal zu erteilenden Unterrichtszeiten entsprechend der einzelnen Fächer.“, fordert Marco Parizek, stellvertretender Vorsitzender der DVPB Berlin.

Unsere Forderung bleibt damit noch immer aktuell: Mindestens eine eigenständige Stunde Politische Bildung für die Schüler*innen in Berlin.
Als DVPB Berlin fordern wir daher ein klares Bekenntnis zu dem Schulfach und eine Festlegung auf mindestens eine Unterrichtsstunde pro Woche in jeder Jahrgangsstufe bzw. zwei Stunde Politische Bildung pro Doppeljahrgang (7/8 und 9/10).

Wir freuen uns, dass die kontinuierliche Arbeit des Landesschüler*innenausschuss (LSA) Berlin zu ersten kleinen Erfolgen geführt hat und hoffen, dass der LSA auch im weiteren Prozess  einbezogen wird. Auch wir als Landesverband Berlin der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e.V. werden diesen Prozess weiterhin kritisch begleiten. Es sind kleine Schritte in die richtige Richtung, Aber für eine politische Bildung, die Demokratie und Gesellschaft stärken soll, sind weitere Schritte notwendig.